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Das ist eine Kostprobe aus meinem aktuellen Jahreszeitenbrief:

„Winter 25“

Der Winter gehört zusammen mit dem Herbst zu den unbeliebtesten Jahreszeiten in der Schweiz. Dies wird vor allem im Flachland mit dem trüben Wetter, dem Nebel, sowie der Kälte und Dunkelheit zu tun haben. Ebenfalls darf nicht vergessen werden, dass der viel beliebte Sommer und Spätsommer zu Ende sind. Ich kann das sehr gut nachvollziehen, erlebte ich selbst auch viele Jahre mit melancholischen Gedanken, wenn der September sich dem Ende zuneigte und es schnellen Schrittes Richtung Herbst und später Winter ging. Kam jedoch der erste Schnee, änderte sich meine Gefühlslage schlagartig. Doch darauf ist leider heutzutage im Raum Basel auch keinen Verlass mehr…!

Ja, mit der Dunkelheit tun wir Menschen uns schwer. Warum ist das so? Weil das Dunkle uns Angst macht und uns unheimlich ist. Wir sehen nicht klar im Dunkeln und erkennen nicht genau, was da vor uns liegt. Deshalb wollen wir uns lieber dem Licht zuwenden und der Klarheit. Doch wenn man es genau betrachtet, kann das eine gar nicht existieren ohne das andere. Denn wo Licht ist, ist auch Schatten (oder Dunkelheit) und wo Dunkelheit ist, ist auch Licht!

Stell dir mal vor, du hast Angst (oder zumindest ein eher unangenehmes Gefühl) vor der Dunkelheit. Trotzdem begibst du dich zusammen mit einer Gruppe in eine Höhle. Alle werden ausgestattet mit Helmen und Stirnlampen. Draussen vor dem Eingang bekommt ihr eine Instruktion und die Tourguides erklären euch, wie der Höhlen-abstieg abläuft. Den ersten Personen wird es mulmig und jemand möchte gar nicht mitgehen und gibt im letzten Moment auf. Der Rest der Gruppe steigt eine steile Metallleiter hinunter in ein dunkles Loch. Die Augen müssen sich zuerst an die Dunkelheit gewöhnen und das schwache Licht der Leuchte am Kopf scheint nicht wirklich viel zu bringen. Doch mit der Zeit, hast du dich an diese Situation gewöhnt und du läufst fasziniert in der Einerkolonne. Ab und zu gibt es kurze Pausen und es werden spezielle Tropfsteine oder Steinformationen gezeigt und mit einem Scheinwerfer beleuchtet. Du bist fasziniert. Irgendwann wird dir bewusst, dass du kein Zeitgefühl und auch keinen Orientierungssinn mehr hast. Deshalb bist du froh, in dieser Gruppe mit Leuten zu sein, die sich auskennen. Beim Wendepunkt kannst du nicht glauben, dass es schon wieder Zeit ist, umzukehren. Doch es gilt, den ganzen Weg, wieder zurückzugehen, und dieses Mal bergauf. Und dann kommt der Moment, wo du erkennst, wie sanftes Tageslicht in den Höhleneingang hineinscheint. Du kletterst langsam die Leiter hoch. Dein Körper ist voll Adrenalin, deine Augen gewöhnen sich schnell wieder ans Licht und du strahlst vor lauter Glücksgefühlen. Erst jetzt erkennst du, wie schmutzig du in der feuchten Höhle geworden bist und realisierst, wie viel Überwindung es dich gekostet hat, da hinunterzuklettern. Und dann, im Nachhinein bist du auch stolz auf dich, weil du dein Unbehagen oder deine Angst überwunden hast. Und noch viele Jahre später erinnerst du dich an diese Höhlentour. So jedenfalls geht es mir.

Als Coach sehe ich mich heute in der Rolle des Höhlen-Tourguides. Manchmal begleite ich jemand tief hinunter in die Dunkelheit und habe stets immer den Rückweg ins Licht vor Augen. Es ist meine Aufgabe für meine Klienten eine sichere und vertrauensvolle Begleitung zu sein, wohin auch immer der gemeinsame Weg uns hinführt. Erfahrungsgemäss findet Entwicklung dort statt, wo es weh tut, und Tränen fliessen. Diese Prozesse dürfen und müssen auch durchlebt und Gefühle durchlitten werden, damit der Phönix aus der Asche emporsteigen kann.

Angst überwinden, unbequeme Situationen ausserhalb der Komfortzone durchstehen, sich den eigenen Schattenseiten widmen und hinschauen – das alles mag schmerzvoll sein, bringt dich aber definitiv weiter. Man sagt, dass unsere persönlichen Entwicklungspotenziale genau dort liegen. Deshalb lohnt es sich immer, sich diesen zuzuwenden.

Dunkelheit ist also per se nichts Schlechtes, welches es abzuwerten gilt. Es ist etwas, was dazugehört zum Leben. Je mehr du versuchst, die Schatten in dir zu verdrängen, desto mehr zeigen sie sich und wollen gesehen werden. Sind sie einmal ins Licht geholt und ange-schaut, verlieren sie ihren Schreck.
Bedenke, wo Schatten ist, ist auch Licht.  Das finde ich persönlich sehr tröstlich.

 

Ich wünsche dir, dass du mit Licht und Dunkelheit umgehen kannst, dass du die kurzen Tage und langen Nächte als Zeiten in einem Zyklus annehmen kannst, zur inneren Ruhe finden darfst und dass du gut über den Winter kommst!

Mögest du eine stimmungsvolle und lichterfüllte Advents- und Weihnachtszeit und einen sanften Übergang und guten Start ins neue Jahr erleben.

Monika Neff

 

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